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WTA Charleston: der erste Bencic-Titel muss noch warten

WTA Tennis

 

Belinda Bencic spielte erneut eine sensationelle Partie und verliert in einem Melodrama in drei Akten äusserst knapp gegen die Slowakin Jana Čepelová mit 4:6, 7:5, 6:7(6).

 

Belinda Bencic kann stolz sein auf das was sie in dieser Woche beim Family Circle Cup von Charleston im Bundesstaat South Carolina erreicht hat. Trösten wird sie jetzt aber wohl niemand können. Sie war so nahe dran und hätte den Sieg auf jeden Fall verdient gehabt. Sowieso hätte dieses Spiel keine Verliererin haben dürfen. Was die beiden Damen im Halbfinal geleistet haben, war absolute Spitzenklasse.

 

Es spielte sich ein regelrechtes Drama ab und beide Spielerinnen liefen wohl so viel wie noch nie. Die 20-jährige Jana Čepelová haute bei diesem Turnier schon Serena Williams weg und schickte auch Landsfrau Daniela Hantuchova mit einer klaren Niederlage nach Hause. Heute traf sie aber auf eine Gegnerin die sich einfach nicht unterkriegen liess. Im ersten Satz ging für die Slowakin noch alles gut. Sie schaffte zwei Breaks und Bencic nur deren eines und den zweiten Satzball konnte sie nach 39 Minuten zum 6:4 versenken.

 

Im zweiten Satz war Čepelová dann weitgehen chancenlos. Der Bencic-Express rollte und sie dreschte auf die Bälle ein, also ob es kein Morgen gäbe. Die Schweizerin konnte ihr gewohnt druckvolles Spiel aufziehen und vor diesem müssen sich in diesem Jahr alle Gegnerinnen fürchten. Bencic ist definitiv auf der Tour angekommen und die Schweiz kann sich auf diese Powerfrau freuen. Bald führte Bencic mit 5:1 und schien den Satz souverän zu gewinnen. Doch auch Čepelová hat Kämpferqualitäten und wollte diesen Sieg genau so wie Bencic. Kurze Zeit später stand es 5:5 und alle Trümpfe lagen bei der Slowakin. Doch das sind die Momente, in welchen Bencic wieder zur Topform auflaufen kann. Sie zeigte Zähne und gewann nach 57 Minuten Kampf Satz 2 mit 7:5.

 

Der Entscheidungssatz war dann von Spannung kaum mehr zu überbieten. Bencic drückte aber Čepelová erinnerte irgendwie an Novak Djokovic, eine Gummiwand welche einfach alles zurückbrachte. Bencic musste nun jeden Punkt zwei- oder sogar dreimal gewinnen und so wurde es schwierig überhaupt einmal ein ruhiges Game zu spielen. In jedem Punkt war totale Action mit teilweise unglaublichen Schlägen auf beiden Seiten. Bencic verschlug ein paar gute Chancen teilweise etwas leichtfertig und sie nervte sich auch dementsprechend. Die Schweizerin war mit ihrem Spiel nicht zufrieden.

 

Der dritte Satz brachte aber beiden Spielerinnen mehr Sicherheit bei eigenem Aufschlag und es wurde nur einmal gebreakt auf beiden Seiten. Schlussendlich ging es in die heisse Phase und dort hatte Čepelová leichte Vorteile und erspielte sich einen ersten Matchball. Bencic blieb völlig unbeeindruckt und spielte nicht auf Sicherheit, sondern auf Winner. Dieser gelang ihr auch und sie konnte zum 5:5 ausgleichen. Die Slowakin legte aber wieder vor und Bencic musste gegen den Matchverlust aufschlagen aber auch das packte sie problemlos. Wir hatten es diese Woche schon oft geschrieben, die mentale Stärke von Bencic ist herausragend. Das Tie-Break musste es richten.

 

Ehrlich gesagt hätte man dieses Tie-Break sehen müssen um zu begreifen was auf dem Platz abging. Emotionen pur und das totale Drama. Zuerst führte Bencic schnell mit 4:1 und strahlte eine enorme Sicherheit aus. Aus Schweizer Sicht war das Ding endlich in die richtige Richtung gedreht und man hatte zumindest schon mal die Flasche kühlgestellt. Doch plötzlich schwand der Vorsprung. Dies auch weil Bencic ein Doppelfehler unterlief und auch bei den nächtsen Punkten patzte. Plötzlich stand es 4:4 und kurz darauf ging die Slowakin sogar in Führung.

 

Bencic blieb aber dran und glich zum 5:5 aus und das gute war, sie hatte nochmals einen Aufschlag. Jetzt musste es aber den ersten Matchball für die Schweizerin geben aber es kam noch ein Doppelfehler. Die Verzweiflung war Bencic ins Gesicht geschrieben. Čepelová hatte wieder Matchball. Bencic wehrte erneut ab und auch diesmal keineswegs mit vorsichtigem Tennis, sondern mit Winnerschlägen. Čepelová blieb dran und holte sich den nächsten Matchball und auch diesen wehrte Bencic ab. In den Ballwechseln war die Schweizerin klar die Chefin und man wartete förmlich auf den Zeitpunkt wo sich das auch in Punkten bemerkbar machte. Beim 6:6 spielte Bencic eine super Backhand ins Eck und lief Richtung Netz um den Punkt abzuschliessen. Das wäre der Matchball gewesen aber sie verschlug die Vorhand und der Ball segelte ins Aus.

 

Das war zu viel für die Schweizerin und sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es fehlten am Ende Milimeter zum Sieg und es war echt zum verzweifeln. Bencic hätte den Sieg mehr als verdient gehabt. Doch beim vierten Matchball liess sich Čepelová nicht mehr aufhalten. Sie schloss den Punkt zum 8:6 im Tie-Break ab und sicherte sich ihrerseits den grössten Sieg der Karriere. Die beiden werden sich sicher noch des öfteren begegnen und man muss sagen, dass man in Charleston eine junge Generation gesehen hat mit riesigem Potential. Charleston war der Weckruf für die gestandenen Spielerinnen wie Serena Williams oder Maria Sharapova und könnte einen Machtwechsel mit sich bringen.

 

Im anderen Halbfinal forderte die 20-jährige Eugenie Bouchard die 26-jährige Andrea Petkovic mit dem besseren Ende für die Deutsche. Bouchard lief genau wie Bencic unter Tränen vom Platz. Auch in diesem Spiel war es sehr knapp. Wer aber noch viel mehr weinte, war die Siegerin Petkovic. Die Deutsche verkroch sich unter ihrem Tuch und weinte hemmungslos über ihren Sieg. Petkovic gegen Čepelová lautet der Final des Familiy Circle Cup und Bouchard und Bencic verabschieden sich mit erhobenen Hauptes.

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