Anna Tatishvili aus Georgien beendet Belinda Bencic's Traum vom Spiel gegen Serena Williams. Die Schweizerin unterliegt in ihrem zweiten WTA-Spiel nach über zwei Stunden mit 6:2, 4:6, 4:6.
Anna Tatishvili profitierte am Schluss von etwas mehr Erfahrung und Routine auf der Profi-Tour, denn die letzten beiden Games hätten definitiv auch anders verlaufen können. Es war ein hätte, wäre, wenn Game, welches Belinda mit einem Vorhandwinner hätte drehen können um dann selber zum Siegeszug anzusetzen. Leider kam es anders und ihr bleibt das glamuröse Spiel gegen die schillernde Nummer 1 der Welt, Serena Williams, verwehrt.
Bencic startete gut ins Spiel und dank zwei Doppelfehlern ihrer Kontrahentin lag sie schnell mit Break voraus. Sie kassierte postwendend das Re-Break und der erste Satz blieb zuerst ausgeglichen. Belinda hatte zu dieser Zeit noch ein kleines Intermezzo mit dem 40 Jahre WTA Sticker auf ihrem Dress und musste diesen umpositionieren. Als das flattern des Stickers aufhörte, kam Bencic noch besser ins Spiel und dominierte zusehends die Ballwechsel. Auf der Sonnenseite hatten aber beide Spielerinnen ihre liebe Mühe mit dem Aufschlag und die Georgierin erlaubte sich erneut einen Doppelfehler. Die erste Breakchance konnte Bencic noch nicht ausnutzen. Sie blieb aber dran, nahm weiterhin die Bälle sehr früh und zeigte ihre beindruckende Technik auf der Vorhand- und eben auch auf der Rückhand-Seite. Bei der nächsten Breakchance bewies sie zudem ihre Cleverness und irritierte ihre Gegnerin mit einer intelligenten Körpertäuschung und kam somit noch an den eigentlich schon gewonnen Smashball ran, welchen sie wiederum früh nahm und neben ihrer Gegnerin vorbei ins Feld spielte. Das 4:2 war perfekt.
Das Game zum 5:2 gewann sie erneut weil sie das Spiel enorm schnell machen kann, indem sie die Bälle früh nimmt. Somit hat die Gegnerin kaum Chancen sich für einen optimalen Return vorzubereiten. Diese Spielweise unterscheidet Bencic als Beispiel stark von Martina Hingis, deshalb sind Vergleiche mit Hingis auch nicht korrekt. Der Spielstil von Bencic ist viel dynamischer und angriffiger. Bencic konnte ihr Aufschlagsspiel halten und gewann den ersten Satz mit 6:2. Dies war zudem der allererste Siegesatz in einem WTA-Turnier, geschehen am 16. Juli 2013, in Bastad Schweden.
Im zweiten Satz startete Belinda Bencic leider mit einem Serviceverlust und Tatishvili konnte ihren Service halten. Doch Bencic blieb dran, obwohl die Aufschlagspiele alle sehr eng und hart umkämpft waren. Die direkte Sonnenseite machte nach wie vor grosse Probleme beim Aufschlag und Bencic lag sehr schnell mit 0:4 hinten. Sie kämpfte sich bravurös vom 0:4 zum 4:4 und zeigte eine grandiose Leistung und Bewies auch mentale Stärke. Die Trainingseinheiten bei Melanie Monitor in Wollerau vor diesem Turnier haben sicher auch nochmals einiges dazu beigetragen. Bencic war sehr schnell auf den Beinen, wirkte sehr gut austrainiert und die Technik ist immer ausgefeilter. In dieser Phase gelangen ihr einige Zauberpunkte aber leider drückte Tatishvili immer mehr und konnte ihr Spiel nun besser kontrollieren. Bencic konnte den Aufschlag nicht halten und Tatishvili blieb nun konstant und gewann beide Games. Der zweite Satz ging mit 6:4 an die Georgierin.
Im dritten Satz gelang Bencic ein Break zum 3:1. Doch das Aufschlagspiel auf der Sonnenseite verhiess nichts gutes und prompt musste sie den Vorsprung wieder aus der Hand geben und kassierte das Re-Break. Stark war aber, dass sie sich nicht demoralisieren liess und direkt dran blieb und einem erneut Re-Break und der eventuellen Vorentscheidung sehr nahe kam. Tatishivili pushte sich aber nochmals zum 3:3 Ausgleich. Der Aufschlag gegen die Sonne blieb leider das grosse Problem am heutigen Spieltag und Bencic musste ihren Aufschlug zu null abgeben und kam zum ersten Mal in diesem Spiel in Bedrängnis. Sie lag mit 3:4 hinten und musste nun sofort ein Re-Break realisieren, um den Druck weiterhin bei ihrer Gegnerin zu lassen. Beim Stande von 15:40 aus Sicht Bencic trumpfte sie nochmals gross auf und konnte zum Einstand ausgleichen. Das war enorm wichtig und baute Bencic nochmals auf. Tatishivili wusste, dass sie heute nur gewinnen kann, wenn sie noch mehr Risiko nimmt und noch näher an die Grundlinie spielt. Oft ging das gut, Bencic retournierte aber stark und provozierte so Fehler ihrer Gegnerin. Bencic kam zu einer Breakchance, welche zuerst noch abgewehrt wurde. Danach war wiederum ein Ball von Tatishivili zu lange und musste von der Schiedsrichterin noch überprüft werden. Erneute Breakchance für Bencic aber Tatishivili konnte sich noch einmal befreien und kurz darauf konnte die Georgierin sogar wieder auf Vorteil erhöhen. Doch dann spielte Bencic einen Ball genau auf die Linie und provozierte einen unerzwungenen Fehler ihrer Gegnerin. Beim nächsten Punkt schlug Tatishivili erneut über die Grundlinie hinaus. Breakchance Bencic und mit zwei schönen Vorhand- und Rückhand Volleys nach einander sicherte sie sich das so wichtige Re-Break zum 4:4 Ausgleich.
Nun schlug sie auf der idealeren Seite auf und hatte sofort eine höhere Quote erster Aufschläge im Feld. Doch Bencic erfuhr nun das Tempo auf der WTA-Tour und wurde in den nächsten Punkten stark gefordert und über den Platz gejagt. Tatishivili powerte und drückte, denn sie wusste, dass sie beim eigenen Aufschlag angreifbar ist und das schon das Ende sein könnte. Bencic behielt vorerst die Nerven und spielte gut mit. Sie zeigte, dass sie dieses Niveau mitgehen kann. Das Spiel war ausgeglichen und auf Messers Schneide und dann fielen einige Bälle zu ungunsten von Bencic aus und sie geriet in Rücklage. Ganz knapp musste sie ihren Service abgeben und lag wiederum mit 4:5 hinten. Anna Tatishvili nutze nun ihre wenigen Chancen rigoroser aus und kam zum ersten Matchball. Diesen verbrauchte sie direkt mit einem erneuten Doppelfehler. Man spürte, dass der Sieg nun auf beide Seiten kippen kann. Erneut Matchball für Tatishvili und Bencic wehrte diesen mit sehr soliden Schlägen ab. Da lag noch etwas drin für Bencic. Bei Einstand returnierte Bencic stark und lief bereit für den Winner in Richtung Netz. Sie holte aus, zog voll durch aber verschlug leider einen schon fast gewonnen Winner und ermöglichte somit ihrer Kontrahentin die nächste Breakchance. Diesem Ball wird sie noch etwas nachtrauern, denn kurz darauf konnte Tatishvili ihren dritten Matchball mit einem Service Winner verwerten und das Spiel doch noch für sich entscheiden.
In ihrem jungen Jahren ist sie dank diesem tollen Spiel bereits auf der WTA-Tour angekommen. Leider verpasst sie im nächsten Spiel gegen Serena Williams antreten zu können, sie hat aber die Erkenntis gewonnen, dass sie bei den "Grossen" mithalten kann und sie das nächste Spiel auf der WTA-Tour gewinnen wird. Wir bleiben dran und berichten weiterhin ausführlich über unseren neuen Shooting-Star Belinda Bencic.
Positive News gibt es aus dem Schweizer Damenlager dennoch zu berichten. Die 20-jährige Zürcherin Viktorija Golubic feierte ihren ersten Sieg auf der WTA-Tour gegen die Niederländerin Kiki Bertens mit 6:2 und 6:2. Bertens, immerhin die Nummer 67 der Welt, hatte keine Chance gegen Golubic und somit steht die Schweizerin in der zweiten Runde des WTA Turniers im Österreichischen Bad Gastein. Die WTA-Klassierung wird also nochmals stark verbessert und dies obwohl Golubic in diesem Jahr schon 400 Ränge gut gemacht hat. Zur Zeit ist sie die WTA 259.